MMMM Markus Mittwoch Manuskript Meeting
Markus‘ Mittwoch Manuskript Meeting Literaturagintininterview mit @literaturagentur.lesenundhoeren (Anna Mechler)

Markus‘ Mittwoch Manuskript Meeting Literaturagintininterview mit @literaturagentur.lesenundhoeren (Anna Mechler)

Literaturagentur. Ehrfürchtig erzittert der unveröffentlichte Autor, denn viele haben ihm berichtet „nur über die Agentur kommst du zum Publikumsverlag“! So habe ich, in hoher Erwartung, mein Exposé an verschiedene Agenturen verteilt, so auch an „Lesen & Hören“ und als nach noch nicht einmal vier Wochen die Absage kam, war ich schon etwas geknickt. Auf der anderen Seite wurde immerhin eine Absage gesendet. Das ist, leider, nicht üblich. Mittlerweile habe ich, durch mein Selfpublishing, einige Probleme erkannt, die die Agenturen sicherlich abgeschreckt haben. Hinzu kommt die Sintflut an Exposé-Einsendungen, in denen Verlage und Agenturen seit Corona wohl untergehen.

MARKUS: Hallo, danke, dass du dir die Zeit für die Fragen nimmst.

ANNA: Hallo, danke für die Einladung!

MARKUS: Warum habt ihr mein Manuskript … nein, nur ein Spaß! Wie viele Exposés bekommt ihr pro Woche eingereicht (und um das in Relation zu setzen: Wie viele Mitarbeiterinnen seid ihr?)?

ANNA: Das ist sehr unterschiedlich. Es gibt immer wieder Wellen, zum Beispiel zur Buchmesse, oder zu den Weihnachtsferien … , da sind es zwischen 30 und 40, der Durchschnitt liegt so bei 25, würde ich sagen. So ganz genau weiß ich das, ehrlich gesagt, nicht, da ich sie nicht Woche für Woche zähle. Ja, derzeit sind wir nur zu zweit, bekommen aber tatkräftige Unterstützung von Agentur-Hund Emma, die vor allem für den Bereich Social-Media zuständig ist: https://www.instagram.com/literaturagenturlh/

MARKUS: Wie teilt ihr eure Arbeit? Gibt es jemanden, der Exposés vorsortiert oder macht jeder alles?

ANNA: Meine Kollegin, Christine Bode, prüft alle eingehenden Projekte und leitet dann an mich weiter, was interessant sein könnte. Außerdem besprechen wir uns zu neuen Projekten und Ideen von unseren Autorinnen. Alles andere – von der Autorinnen-Betreuung bis zur Verlagsverhandlung – fällt in meinen Aufgabenbereich.

MARKUS: Agenturarbeit, stelle ich mir vor, ist viel Netzwerken. Nicht nur die ausgefallenen Messen haben euch die Arbeit da erschwert? Vor welche anderen Herausforderungen hat euch Corona gestellt?

ANNA: Die Messen und vor allem die persönlichen Treffen haben uns schon sehr gefehlt. Man sollte ein nettes Gespräch beim Kaffee oder Essen nicht unterschätzen. Da entstehen viele schöne Ideen, die durch einen Video-Call nicht wirklich zu ersetzen sind. Auch Telefonate und Mails sind wichtig und gut, aber es geht einfach nichts über ein persönliches Treffen. Jetzt, wo es wieder geht, mache ich Verlagstouren und besuche meine Arbeitspartnerinnen in den Verlagen und versuche natürlich auch, so viele Autorinnen wie nur möglich zu treffen. Die Agentur-Abende mit den Autorinnen fehlen mir besonders. Mir ist es wichtig, dass die Autorinnen der Agentur sich untereinander kennen und austauschen und sich auch gegenseitig unterstützen. Durch die Sozialen Medien lässt sich manches etwas auffangen, aber der persönliche Austausch eben nicht.

MARKUS: Die Frage mag vielleicht nerven: Wie hoch ist bei euch die Chance als unveröffentlichte(r) Autor*in einen Agenturvertrag zu bekommen?

ANNA: Hmm, gute Frage. Momentan stehen die Chancen leider nicht so gut, da wir eben nur zu zweit sind und wir sehr genau gucken müssen, wie hoch wir die Chancen sehen, ein neues Projekt unterzubekommen und eine neue Autorin, einen neuen Autor so zu beraten und zu betreuen, wie wir uns das vorstellen. Da kommt es gerade sehr auf das Genre an und ob wir uns von einem Projekt angesprochen fühlen. Die Zusammenarbeit zwischen Autor*in und Agentur ist eine sehr vertrauensvolle und da muss nicht nur das Projekt passen, sondern auch die Chemie stimmen.

MARKUS: Was war die ungewöhnlichste Agenturbewerbung?

ANNA: Neulich hat mir ein Autor eine Rolle Klopapier geschickt mit einem Begleitbrief, auf dem sinngemäß stand: Die Scheißzeit ist jetzt vorbei, hier kommt Ihr neuer Bestseller. Das war schon sehr kreativ, hat aber unsere Entscheidung nicht beeinflusst.

MARKUS: „Lesen“ dürfte ja eine wichtige Beschäftigung von dir sein: Nutzt du Techniken wie Speed-Reading?

ANNA: Ja. Allerdings funktioniert das nur bedingt, wenn ich den Text lese, um der Autorin, dem Autor Anmerkungen zu machen, dann lese ich sehr genau. Aber, um sich einen ersten Eindruck von einem Text zu machen, ist Speed-Reading eine gute Methode.

MARKUS: Liest du privat anders als beruflich?

ANNA: Ja. Privat lese ich gedruckte Bücher, weil ich das Haptische brauche und liebe. Beruflich lese ich auf dem Tablet. Diese Trennung ist mir wichtig. Die Grenzen zwischen dem, was ich „privat“ lese und dem, was ich „beruflich“ lese, verschwimmt ohnehin oft, da ich natürlich auch einschätzen muss, was aktuell auf dem Buchmarkt funktioniert und warum. Wenn ich dabei ein Buch in der Hand halte, habe ich aber nicht das Gefühl zu arbeiten. Man könnte also sagen, ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht.

MARKUS: Wenn es in Filmen, Serien und Büchern um Autoren geht, gibt es da meistens immer einen Literaturagenten, der darauf pocht, dass der Autor seine Deadline einhält. Wie realistisch ist das? Wie oft musst du deinen Autor*innen auf den Füßen stehen?

ANNA: Das kommt ganz auf die Autorin, den Autor an. Das ein oder andere Mal muss ich da schon nachfragen, aber im Großen und Ganzen sind meine Autorinnen sehr zuverlässig und können ihre Deadlines halten. Ich habe ja auch Autorinnen, die schreiben 4 bis 5 Bücher im Jahr. Das geht ohne Zeitplan und Disziplin nicht.

MARKUS: Schreibst du selbst?

ANNA: Nein. Während meines Studiums habe ich Geschichten und Gedichte geschrieben und hatte auch schon eine Idee für einen Roman. Aber dann fehlte mir die Zeit und jetzt helfe ich lieber anderen Autor*innen, ihre Buchbabys auf die Welt zu bringen.

MARKUS: Liest du Exposé digital oder druckst du sie lieber aus?

ANNA: Digital. Bei der Masse an Exposés, die ich jede Woche lese, wäre alles andere Papierverschwendung.

MARKUS: Liest du mit Musik oder muss es still sein? Falls mit: welche?

ANNA: Ich persönlich brauche Ruhe zum Lesen.

MARKUS: Welches Buch hast du als Letztes gelesen?

ANNA: „Von hier bis zum Anfang“ von Chris Whitaker. Ein tolles Buch, kann ich sehr empfehlen.

MARKUS: Welches Buch hast du nicht fertig gelesen?

ANNA: „Das Gewicht der Worte“ von Pascal Mercier. Dazu fehlte mir die Ruhe. Irgendwann werde ich es aber weiterlesen.

MARKUS: Abschließende Worte?

ANNA: Was Autor*innen neben dem Handwerk und einer guten Idee brauchen, ist vor allem Geduld! Erst bei der Suche nach einer passenden Agentur, dann um einen Verlag zu finden und auch, wenn der gefunden ist, dauert es, bis das Buch tatsächlich erscheint. Das ist bisweilen eine große Herausforderung. Allen, die sich dieser stellen, wünsche ich viel Erfolg!

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