MMMM Markus Mittwoch Manuskript Meeting
Markus‘ Mittwoch Manuskript Meeting mit Dr Alexandra Sept (Lektorininterview)

Markus‘ Mittwoch Manuskript Meeting mit Dr Alexandra Sept (Lektorininterview)

Auf #Bookstagram tummeln sich nicht nur Leser, Blogger und Autoren. Damit ein Buch entstehen kann, braucht es auch ein Lektorat, ein Korrektorat, jemanden, der den Buchsatz macht (auch beim E-Book), jemanden der das Cover gestaltet. Die Reihe lässt sich fortsetzen. Ein professionelles Lektorat und Korrektorat wertet ein Projekt auf, die Kosten schrecken gerade Jungautoren ab. Ein Ausweg wäre Crowdfunding, wie es z. B. @sebastianwilm.de gemacht hat. Alexandra deckt mit ihrem Lektorat und Korrektorat die ganze Bandbreite von wissenschaftlichen Texten über Belletristik zu PR-Texten ab.

MARKUS: Hallo, danke, dass du dir die Zeit für die Fragen nimmst.

ALEXANDRA: Sehr gern, ich bin gespannt, was du alles wissen möchtest.

MARKUS: Wenn ich mit meinem aktuellen Projekt (ein Psychothriller) mit dir zusammenarbeiten möchte, wie würden da die ersten Schritte aussehen?

ALEXANDRA: Erst einmal würden wir uns in einem Telefongespräch kennenlernen und besprechen, wo dein Bedarf liegt, ob Korrektorat, Lektorat oder beides. Da erkläre ich auch meine Arbeitsweise. Um dann ein Angebot erstellen zu können und mir ein Bild über das Projekt zu machen, brauche ich neben Genre, Zeichenzahl und zeitlichem Horizont auch eine Inhaltsangabe und eine Übersicht über die Charaktere. Oft lasse ich mir auch eine Leseprobe oder ein Exposé schicken. Dann mache ich ein Angebot und wenn derdie Autorin zustimmt, kann es direkt losgehen.

MARKUS: Lehnst du auch Lektorate ab?

ALEXANDRA: Ja, vor allem, wenn es zeitlich einfach nicht machbar ist. Manchmal habe ich für den gleich Zeitslot 15 Anfragen, manchmal keine einzige. Das ist immer schwer planbar. Und es gibt auch inhaltlich ein paar No-Gos für mich, zum Beispiel rechtsextreme Texte.

MARKUS: Kannst du kurz erklären, wie deine Arbeitsschritte bei einem Lektorat aussehen?

ALEXANDRA: Das kläre ich individuell je nach Bedarf. Ein Lektorat umfasst in der Regel einen Durchgang, wenn ich größeren Änderungsbedarf sehe, weil es z.B. Logik-Fehler gibt, bespreche ich mit demder Autorin, ob ein zweiter Durchgang gewünscht ist. Ich arbeite mit Word-Dokumenten im Überarbeitungsmodus und schicke das Manuskript dann nach meiner Überarbeitung an dendie Autorin zurück. Während meine Kommentare und Änderungsvorschläge eingearbeitet werden, stehe ich jederzeit für Fragen dazu zur Verfügung und das wird auch gerne genutzt. Per Telefon, Mail oder Whatsapp überlegen wir dann zusammen, wie man manche Passagen optimieren kann. Kommt ein Korrektorat hinzu, mache ich das ganz am Schluss, nachdem vom Autor oder der Autorin meine Kommentare eingearbeitet wurden. Ich brauche zwischen Lektorat und Korrektorat auch immer ein paar Wochen Pause, damit ich einen frischen Blick für die Korrektur habe.
Das Lektorat eines wissenschaftlichen Testes läuft ganz anders ab. Der Fokus liegt da definitiv auch nicht auf Figurenentwicklung, Spannungsbogen und Lesefluss, sondern auf einer wissenschaftlichen Sprache, dem roten Faden und der angemessenen Beantwortung der Forschungsfrage. Die Sprache ist nüchtern und Kreativität fehl am Platz. Aber gerade die Abwechslung gefällt mir, so bleibt man immer flexibel im Denken und rostet nicht ein.

MARKUS: Als Querleser fällt mir das Korrekturlesen extrem schwer, selbst wenn mir dabei Software hilft. Wie gehst du dabei vor?

ALEXANDRA: Für ein Korrektorat nehme ich mir am Tag nicht zu viele Seiten vor, weil sonst die Konzentration nachlässt und man leicht etwas übersieht. Oft mache ich das auch häppchenweise über den Tag verteilt, morgens 20 Seiten, nachmittags 20 Seiten, abends 20 Seiten.

MARKUS: Ein Lektorat gibt ja Vorschläge, was ich an einem Text ändern soll, die ich befolgen kann, aber nicht muss. Gibt es für dich eine Grenze, bei der du Wert legst, nicht im Impressum des Werkes zu erscheinen?

ALEXANDRA: Ich freue mich immer, wenn ich im Impressum erscheine, das ist aber für mich kein Muss. Ich gebe ja nur Tipps und bin nicht die Verfasserin des Werkes.

MARKUS: Ich vermute mal, dass du auch in deiner Freizeit Bücher immer mit den Augen einer Lektorin liest. Kommt es da oft vor, dass du denkst „das hätte ich anders gemacht?“

ALEXANDRA: Es geht, auf die meisten Bücher kann ich mich gut einlassen, weil ich die ersten Seiten überfliege, bevor ich mich für ein Buch entscheide. Man merkt an der Sprache und am Lesefluss schnell, ob da auch eine professioneller Lektor*in am Werk war. Vor allem größere Fehler in der Logik, eine wechselnde Erzählperspektive oder Tempus-Fehler lassen sich so vermeiden und das sind Dinge, bei denen denke ich mir das dann tatsächlich. Aber es muss nicht heißen, dass Bücher ohne Lektorat immer schlechter sind! Es ist aber auf jeden Fall notwendig, das Manuskript von mehreren Augen lesen zu lassen. Was die eigenen Fehler angeht, ist man oft blind.

MARKUS: Was ist deine schönste Erinnerung bei der Zusammenarbeit mit einem Autor?

ALEXANDRA: Am besten gefällt es mir, wenn ich ein handsigniertes Exemplar des Werkes mit ein paar netten Worten mit der Post bekomme. Die meisten Autor*innen begleite ich außerdem längere Zeit, da freut es mich zu sehen, welche Fortschritte sie machen oder wenn sie mich um Rat fragen, wenn sie einen Genre-Wechsel in Betracht ziehen oder ob die Fortsetzung eines Romans sinnvoll wäre.

MARKUS: Hast du einen festen Arbeitsplatz oder richtet der sich nach dem aktuellen Arbeitsschritt?

ALEXANDRA: Meistens am Schreibtisch, aber je nach Tages- oder Jahreszeit auch mal am Esstisch, auf dem Sofa in meinem Arbeitszimmer oder auf dem Boden. Mit Laptop bin ich da zum Glück mobil. Nur das Bett und das Sofa im Wohnzimmer sind tabu.

MARKUS: Korrigierst/Lektorierst du am Computer oder auf Papier?

ALEXANDRA: Nur auf dem Laptop. Das ist praktischer, man kann einfacher zurückblättern, es gibt die „Suchen“-Funktion, Zeichen- und Wortzähler, man kann Kommentare einfach wieder löschen etc.

MARKUS: Brauchst du Ruhe beim Arbeiten oder hörst du dabei Musik? Fall Musik: welche?

ALEXANDRA: Musik höre ich bei der Arbeit eher am Nachmittag oder Abend, vormittags ist mir nicht danach. Und dann höre ich meistens eine Study-/Concentration- Playlist auf Youtube oder eine Akustik-, Harry Potter- oder Bridgerton-Playlist, die läuft dann aber wirklich nur im Hintergrund. Ich habe da 4-5 Playlists, die assoziiere ich mittlerweile mit konzentriertem Arbeiten, da komme ich dann nach dem Mittagstief wieder gut in den „Arbeitsmodus“.

MARKUS: EBook oder eines aus Papier?

ALEXANDRA: Ich lese Bücher immer nur in Print. Einfach weil ich das Gefühl des Umblätterns mag und weil ich sowieso schon den ganzen Tag in den Bildschirm starre.

MARKUS: Welches Buch hast du als Letztes gelesen?

ALEXANDRA: Das letzte Buch müsste „Die Zeit der Kirschen“ von Nicolas Barreau gewesen sein oder ein Buch von Janet Evanovich, da bin ich mir gerade nicht sicher. Letzteres gibt es bisher nur in Englisch, ich konnte einfach nicht abwarten, bis es ins Deutsche übersetzt wird.

MARKUS: Welches Buch hast du nicht fertiggelesen?

ALEXANDRA: Herr der Ringe. Ich habe eine längere Pause eingelegt und dann einfach den Faden verloren. Nach ein paar Seiten habe ich das Buch weggelegt und nie wieder reingeschaut. Sollte ich vielleicht doch mal wieder tun.

MARKUS: Schreibst du selbst auch? Falls ja: was?

ALEXANDRA: Nein. Mir fehlt einfach die Zeit und ich habe sehr hohe Ansprüche an mich selbst. Ich kann es aber nicht ausschließen, dass ich doch irgendwann man den Stift in die Hand nehme, aber bisher bin ich noch nicht von der Muse geküsst worden und mir fehlt die zündende Idee, über was ich schreiben sollte.

MARKUS: Abschließende Worte?

ALEXANDRA: Ich empfehle allen Selfpublisherinnen und Debütautorinnen, die sich die Frage stellen „Lektorat – ja oder nein?“ ein paar Seiten zur Probe lektorieren zu lassen, dann fällt die Entscheidung leichter, ob es das Geld wert ist oder nicht. Ich hoffe, dass dir und allen anderen Interessierten meine Antworten helfen, Licht in das Dunkel „Lektorat“ zu bringen und danke dir für das Interview.

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