MMMM Markus Mittwoch Manuskript Meeting
Markus‘ Mittwoch Manuskript Meeting mit Tira Beige (Autorininterview)

Markus‘ Mittwoch Manuskript Meeting mit Tira Beige (Autorininterview)

Samuel Clemens Longhorn kennst du nicht? Arthur Blair auch nicht? Beide haben unter Pseudonym veröffentlicht, der Erste ist als Marc Twain, der Letztere als George Orwell bekannt. Für die Nutzung eines Pseudonyms gibt es verschiedene Gründe und gerade bei einem Geschlossenen möchte die schreibende Person die wahre Identität verbergen. Im echten Leben ist Tira Beige Deutschlehrerin und ihr eloquenter Schreibstil überzeugt. In ihrem Erstling „Rebeccas Schüler“ entwickelt sie einen Plot, der Parallelen zu den „Leiden des jungen Werther“ hat, was meine Aufmerksamkeit erregte, da ich Abi in Wetzlar gemacht habe, wo Goethe den Briefroman geschrieben hatte. Das Besondere an ihrem Buch ist der Genremix: Tragödie, mit hohem Erotikanteil!

MARKUS: Hallo, danke, dass du dir die Zeit für die Fragen nimmst.

TIRA: Vielen Dank, dass du mich für ein Interview ausgewählt hast und ich mit meinem Debütroman deine Aufmerksamkeit erlangen konnte.

MARKUS: Wie bist du auf die Idee zu „Rebeccas Schüler“ gekommen und hattest du es von Anfang an auch als Erotikgeschichte geplant?

TIRA: Ursprünglich wollte ich lediglich negative Erlebnisse aus der Schule verarbeiten, die mir die ersten Berufsjahre verleidet haben. Dass es zum Erotikroman wurde, hat sich erst später herauskristallisiert, nachdem eine Figur in den Mittelpunkt rückte.

MARKUS: Man merkt deiner Protagonistin die Begeisterung für den „Werther“ an. Ist da eine Portion Tira in Rebecca?

TIRA: Unbedingt! Als Deutschlehrerin liebe ich (alte) Literatur und versuche, diese Begeisterung auf meine Schüler zu übertragen. Ich denke, das gelingt mir mehrheitlich sehr gut.

MARKUS: Welchen Herausforderungen stellt man sich als Erotikautorin? Gerade wenn man mit geschlossenem Pseudonym arbeitet?

TIRA: Wenn man mit einem geschlossenen Pseudonym arbeitet, ist die Gefahr des Entdecktwerdens nicht so groß wie bei einem offenen. Trotzdem schwingt immer die Panik mit, jemand aus meinem engeren (beruflichen) Umfeld könnte herausfinden, dass die sonst so professionell auftretende Frau … in ihrer Freizeit anrüchige Bücher schreibt.

MARKUS: Du neigst zur Perfektion. Wie verteilen sich bei dir die Arbeitszeiten für Entwurf schreiben, überarbeiten und korrigieren? Und wie kommst du irgendwann zu dem Punkt, das Werk als fertig zu definieren?

TIRA: Am Debüt habe ich mit Unterbrechungen fünf Jahre gearbeitet. Bei Teil 2, der auch immerhin 20 Kapitel umfasst, sind es nur wenige Wochen gewesen. Insgesamt kann ich aber grob sagen, dass sehr viel Zeit für die Korrektur und Überarbeitung „drauf geht“, weil ich schwer den Punkt erreiche, an dem ich sagen kann: „Jetzt ist das Buch soweit ‘perfekt’, dass ich selbst zufrieden bin.“ Vor allem, wenn man den Entwurf eine Weile nicht in der Hand hatte, fallen einem Logikfehler und Ausdrucksmängel auf, die man vorher nicht auf dem Schirm hatte. Andreas Eschbach empfiehlt auf seiner Homepage, Entwürfe mindestens 5-6 Wochen liegen zu lassen. Dieser Tipp hat mir sehr geholfen. „Fertig“ in dem Sinne ist ein Buch eigentlich nie.

MARKUS: Hattest du ein schönes oder lustiges Erlebnis während der Recherche für eines deiner Werke?

TIRA: Nein.

MARKUS: Magst du etwas zum Nachfolgeroman von „Rebeccas Schüler“ erzählen?

TIRA: Sehr gerne. Die Handlung steigt nach drei Jahren ein. Rebecca wird sich – war ja absehbar – von ihrem Freund trennen und umziehen. Sie bekommt eine Anstellung an einer Sportschule, wo sie auf zwei Schüler trifft, die sie in ihrem Kurs hat. In Cedric verliebt sie sich, erkennt aber zu spät, dass er nur mit ihr spielen möchte. Der zweite Abiturient namens Linus bleibt bis zuletzt eine interessante, mysteriöse Figur, die für Rebecca sehr wichtig werden wird. Mehr möchte ich nicht verraten.

MARKUS: Hast du Schreibroutinen? Wie planst du deine Schreibzeit mit Familie und anderen Hobbys?

TIRA: Am Wochenende arbeite ich grundsätzlich gern morgens. Und ansonsten immer in der Zeit von 19 bis 20 Uhr, bis die Tagesschau beginnt. Es gibt nur wenige Tage, an denen dieses Vorgehen durchbrochen wird; z.B. in Zeiten, in denen die Schule sehr viel Aufmerksamkeit einfordert. Zur Routine gehört dazu, die besagte Zeit auch zum Überarbeiten zu nutzen. Da ich keine Kinder habe, lässt sich das Schreiben sehr gut in den Alltag integrieren. Das ist auch bei meinen anderen Hobbys der Fall: Zum einen lese ich unheimlich gern, was ja nicht weiter verwundert. Als Zweites spiele ich wahnsinnig gern Gitarre. Das habe ich mit Markus gemeinsam. Und drittens jogge ich sehr viel, nämlich aller zwei Tage rund 3 Kilometer, gern auch mehr.

MARKUS: Hast du einen festen Schreibplatz?

TIRA: Bei schlechtem Wetter sitze ich am Küchentisch, an dem ich nebenbei einen Tee trinken kann. Viel lieber jedoch schreibe ich im Garten. Wir besitzen einen Pavillon mit einer Liegeinsel. Dort bin ich am kreativsten.

MARKUS: Mit der Hand? Schreibmaschine oder Computer?

TIRA: Mit der Hand arbeite ich Entwürfe für Szenen aus. Ich trage grundsätzlich ein Notizbuch bei mir, falls mir Ideen kommen oder ich Vorschläge für einen guten Satz habe. Ansonsten schreibe ich auf einem ausgemusterten kleinen Netbook, das kein Internet mehr besitzt. Das kann ich überall mit hinnehmen, weil es so winzig ist und einen guten Akku hat. Aber eine Frage: Wer schreibt denn heutzutage noch mit Schreibmaschine?

MARKUS: Schreibst du mit Musik oder muss es still sein? Falls mit: welche?

TIRA: Ich brauche unbedingte Ruhe! Bei Lärm kann ich mich nicht konzentrieren.

MARKUS: eBook oder eines aus Papier?

TIRA: eBook, eBook, eBook! Als Lehrerin besitzt man so viele Bücher. Da will man sich das Regal nicht auch noch mit der Freizeitliteratur voll „müllen“. Außerdem ist es praktisch, wenn man auf der Seite liegend lesen kann, z.B. im Bett.

MARKUS: Welches Buch hast du als Letztes gelesen?

TIRA: „Ohne Strom“. Im Bereich „Erotik“ lese ich gerade „Knisternde Kurzgeschichten“, die Nora von @erotikgeschichtenbuchblog herausgegeben hat.

MARKUS: Welches Buch hast du nicht fertig gelesen?

TIRA: Da gibt es keins. Egal, wie „schlecht“ ein Buch ist, ich quäle mich bis zuletzt durch.

MARKUS: Abschließende Worte?

TIRA: Vielen Dank, dass ich dabei sein durfte! :-))) Ich würde mich sehr freuen, wenn durch dieses Interview noch mehr Menschen auf meine Literatur aufmerksam werden.

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