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Die machen ja auch nichts Neues und sind sich gar nicht treu geblieben!

Oxymoron. Auch wenn ich nicht mal sicher bin wie das Wort richtig ausgesprochen wird, ist es eines meiner Lieblingsworte. Lt. Wikipedia handelt es sich dabei um eine rhetorische Figur, die aus sich gegenseitigen ausschließenden Begriffen bildet. „Trockenes Wasser“ oder „kaltes Feuer“, um nur zwei Beispiele zu nennen. Wie ich jetzt die Überleitung zur Musik mache? Böse Zungen behaupten, das ein „leiser E-Gitarrist“  auch ein Oxymoron ist, generell würde ich dem auch nicht widersprechen, aber darum geht es mir hier nicht.

Die meisten Bands machen verschiedene Phasen durch. Ist das Debutalbum veröffentlicht und der erste Erfolg vorhanden stellt sich schnell die Frage nach dem Quo Vadis. Zu schnell kommt der Vorwurf, das sich das Nachfolgealbum quasi wie das Erste anhören würde und man gar keinen oder kaum Fortschritt hören kann. Wird der Schritt zu groß, kommt der Vorwurf das die Band „sich gar nicht treu geblieben ist“.

Aber wie schafft eine Band diesen Brückenschlag und verbindet das eigentlich Unmögliche? Der Grat ist schmal und es scheint auch nicht so als ob da jeder Künstler mit gleichem Maßstab gemessen wird. Man kann hier quasi zwischen Interpreten unterscheiden, die sich in ihrer (teilweise recht langen) Schaffensphase im Grunde, diplomatisch formuliert, sehr treu geblieben sind, während andere sich immer wieder neu erfinden. Erfolgsbeispiele gibt es bei beiden Gruppen, genauso gibt es aber auch in beiden Gruppen Künstler die in die Bedeutungslosigkeit verschwunden sind.

„Viele Leute sagen, dass wir elf Mal das selbe Album gemacht haben. Aber das ist eine Lüge, denn eigentlich ist es schon das zwölfte Mal.“ zitiert Power-Metal Angus Young von AC/DC. Es ist jetzt nicht so, das ich die Musik der australischen Hardrockband nicht mag, im Gegenteil, aber wenn man aus allen Alben wahllos 12 Songs zusammen würfelt, wäre es jetzt nicht so, das man einen großen Bruch merken würde. Okay, der Sänger wurde ausgetauscht, aber für den nicht ganz so versierten Fan dürften sich die Unterschiede nur marginal bemerkbar machen. Umso erstaunlicher ist es, das speziell AC/DC Wert auf den Albencharakter ihrer Veröffenltichungen legen und damit ihre bisherige iTunes (bzw. generell Downloadplattform) Abstinenz erklären: „Wir glauben, dass die Songs von jedem unserer Alben in sich zusammen gehören,“ setzen AC/DC nach. „Wenn wir bei iTunes wären, wäre es sicher, dass manche Leute nur zwei oder drei Songs von einem Album runterladen. Wir glauben aber nicht, dass uns das musikalisch repräsentiert.“ (Metal Hammer).

Der nächste Name der mir zu diesem Schema einfällt ist die britische Band Status Quo. Den Junges wird nachgesagt, das ihre Lieder nur aus drei Akkorden bestehen und hört man sich einige der bekannten Songs an, so fällt schon auf, dass das I, IV, V Schema doch relativ häufig vorkommt. Ganz ehrlich ist es aber nicht, trotzdem gingen Status Quo mit ihrem 2007er Album „In Search of the Fourth Chord“ sehr selbstironisch auf diesen Vorwurf ein.

Sowohl AC/DC als auch Status Quo haben sich ihre Nische geschaffen und es ist zu vermuten das beide auch nicht mehr aus diesen ausbrechen könnten, selbst wenn sie den Willen dazu hätten.

 

U2 – bevor sie sich das zweite Mal neu erfunden haben

Andere Bands hingegen durchleben alle paar Jahre so etwas wie eine Metamorphose und erfinden sich neu. Nun ja, nicht ganz neu, vielmehr kommt es zu Richtungswechseln, die einige Fans irritiert. Vorneweg fällt mir diesbezüglich U2 ein: nach dem dritten Album wechselten die Iren die Produzenten und veränderten ihren Grundsound schon fast extrem, trotzdem konnte die Musik noch als die der Band selber erkannt werden. Weitere drei Alben später erfindet sich die Band wieder neu um sich weitere drei Alben später wieder etwas mehr auf „Altes“ zurück zu besinnen. U2 füllen noch heute Stadien und sind mit den Wechseln gewachsen.

Die Ende der 80er ebenfalls sehr populären Simple Minds dagegen haben sich Anfang der 90er dann nicht wirklich verändert, vielmehr bremste sich die Bands mit Veränderungen der Besetzung selber aus und verschwand dann fast in der totalen Bedeutungslosigkeit.

Populäre Beispiele für Künstler die sich musikalisch mitunter extrem verändern, die aber trotzdem ihre musikalische Identität behalten haben sind Roger Nelson, Madonna und Michael Jackson. Wobei Ersterer und Letzter zuletzt allerdings weniger erfolgreich waren. Zumindest kommerziell nicht.

Eric Clapton ist und Gary Moore war ein Künstler, die im Laufe der Karriere ebenfalls immer wieder ihren Grundsound änderten und auch wenn ich mit den Bluesphasen von beiden nicht wirklich viel anfangen kann, so muss man trotzdem eingestehen das bei ihnen die Wechsel funktioniert haben. Zumindest folgte kein Absturz in die Bedeutungslosigkeit.

Man kann es drehen und wenden wie man will: es gibt kein wirkliches Rezept wie eine Band erfolgreich werden kann und genauso wenig lässt sich sagen wieviel Veränderung sich eine Band erlauben kann oder gönnen muss um erfolgreich zu bleiben. Es gibt Beispiele für Interpreten die sich nicht verändert haben und dafür abgestraft wurden genauso gut wie Bands die sich neu erfunden haben und in Vergessenheit geraten sind. Umgekehrt aber eben genauso: Bands die sich quasi kaum weiter entwickelt haben sind nach Jahrzehnten ähnlich erfolgreich wie solche, die ein paar extreme stilistische Kehrtwenden vorzweisen können.







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