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Crisis & Es, Pirates & Hysteria, oder der Soundtrack des Lebens

Vor einiger Zeit habe ich einen Film gesehen, der fast komplett auf Hintergrundmusik verzichtet hatte. Der Titel ist mir (genauso wie der Plot) entfallen, aber es hat zumindest so viel Eindruck hinterlassen, das ich mich noch daran erinnern kann. Schaut man sich manche Filme ohne Ton an, dann verfliegt sofort sehr viel von der Stimmung. Das würde schon alleine geschehen wenn man einfach mal die Musik weglassen würde, was man nicht so ohne weiteres Testen kann (da die Filme eben nicht mit vom restlichen Ton getrennter Musik veröffentlicht werden).

Aber nicht nur Filme haben einen Soundtrack, auch im eigenen Leben dürfte jeder bestimmte Lieder bzw. Musikstücke haben, mit denen er automatisch erlebtes verbindet: zum Beispiel Klassenfahrten, Romanzen, aber auch Trauriges. Hört man diese Titel, merkt man dann schnell das eigentlich irgendwie auch wie Pawlows Hund reagiert: wenige Takte und die Erinnerung werden wieder frisch.

Marillion, Foreigner und Scorpions

Unser Schule hatte ein Austauschprogramm mit einer Schule in Avignon. Da ich Mitte der 80er an den Austauschfahrten teilgenommen habe und gefühlt die ansonsten an unserer Schule sehr stark vorhandenen Heavy Metal Fraktion unterpräsentiert war, war „Misplaced Childhood“ von Marillion ebenso „dominant“ präsent wie „I want to know what love is“ von Foreigner, die „World Wide Live“ der Scorpions und auchU2s  „Under A Blood Red Sky“ wurde gespielt. Interessanterweise kann ich mich während meiner Teilnahme am Schüleraustausch an kein französischsprachigen Titel erinnern, bei meinem vier Jahre älteren Bruder blieb (zumindest in meiner Erinnerung) Plastik Bertrands „Ça plane pour moi“ (geht es nur mir so, oder warten auch andere bei „Wir sind Helden“s „Reklamation auf das erlösende „Uhuuhuhuhhh!“?).

Kleiner Nebenschauplatz: es war die Zeit des Walkman und da man seine Kassetten noch so toll und geplant aufgenommen hatte, irgendwann wollte man doch einen anderen Titel hören. Da die portablen Kassettenspieler beim Spulen aber quasi die Batterie gefressen habe, konnte man in den Bussen auf den Schulfahrten immer wieder Kassetten sehen, die auf einem Kugelschreiber oder Stift „aufgespießt“ waren und mit ein wenig Übung und Schwung wurden die Kassetten so manuell in beeindruckender Geschwindigkeit an die richtige Stellen gespult. Zumindest fast.

Brothers in Arms und Eye of the Tiger

Für die Skifreizeit unserer Schule hatte ich mir eine Kassette meines Bruders „ausgeliehen“. Im Grunde hatte ich sie einfach mitgenommen und er hat sie ja auch wieder zurückbekommen, dazwischen habe ich sie aber von hinten nach vorne und wieder zurück auf meinem Walkman (übrigens ein „Echter“, also einer von Sony und wer es genau wissen will: es war ein DD-2) gespielt. So kam es dann auch, das ich mit der Skifreizeit fast untrennbar Dire Straits und Survivor verbinde! „Burning Heart“ und „So Far Away From Me“ sind für mich mit Bildern von Königsleiten und Schnee verbunden!

Bee Gees – You Win Again

Und nochmal Schulaustausch: diesmal Århus in Dänemark. Offiziell lief das als „Kulturaustausch“ und auch wenn hier wieder Marillion, Foreigner, Scorpions sehr präsent gewesen sind, verbinde ich mit diesem Austausch den Bee Gees Hit „You Win Again“. Es ist jetzt auch nicht so gewesen, dass das Lied im Bus lief oder auf einer der Feten und Treffen die wir Abends hatten, aber trotzdem habe ich sofort einige Bilder vom Aufenthalt in Dänemark vor meinem inneren Auge sobald ich dieses Lied höre.

Was hat Stephen Kings Es mit Mike Oldfield Crises zu tun?

Oder vielmehr was nicht? Ich höre gerne Musik, sehr gerne. Zum einen so richtig mit Hinsetzen und Zuhören, als Musiker auch schonmal zum Mitspielen (was habe ich mir schon tolle Gitarrenduelle mit Jimi, Eric und Edge geliefert (wer gewonnen hat wird nicht verraten!)) aber auch einfach als Hintergrundmusik. Wieso auch immer, auch beim Lesen habe ich immer gerne dezent etwas Musik im Hintergrund laufen und als ich den 800-Seiten Wälzer des Horrorauthors aus Maine gelesen habe, lief auf meiner Schneider Kompaktanlage Mike Oldfields „Crises“ quasi in der Endlosschleife. Als Jahre später Es verfilmt wurde war ich schon fast entsetzt, das nicht ein Song des Albums im Film verwendet wurde, wodurch die Umsetzung bei mir schon einen Malus hatte!

Warum Piraten und Hysterie zusammenpassen und ich bei Nationalgalerie an Stadtplanung denke

Als ich 1988 in Amerika war, waren dort gerade Def Leppard mit ihrem Album Hysteria top aktuell, weshalb ich mir die CD quasi kurz nach meiner Rückkehr nach Hause gekauft habe. Man sollte nun meinen das ich bei „Pour some sugar on me“ an meinen Aufenthalt in Tennessee denke, aber weit gefehlt: zu der Zeit habe ich auf meinem Commodore 64 gerade Sid Meier’s Pirates bis zum Abwinken gespielt und dabei lief „Hysteria“ in der Endlosschleife: sobald ich irgendeinen Song dieser LP höre habe ich sofort die Pixelgrafik vor meinem Auge und überlege mir wo sich gerade der Silberzug oder die Schatzflotte befindet. Einige Jahre später hat sich das bei mir mit dem Album „Indiana“ von „Nationalgalerie“ und „Sim City 3000″ wiederholt und das Hören der CD bringt  mir dann doch gleich wieder die isometrische Ansicht des Aufbauklassikers in Erinnerung.

Musik zu Freud und Leid

Es wäre schön zu sagen, das Musik und die Erinnerung daran immer mit Freude verbunden ist, manchmal macht sie auch traurig. Ich weiß nicht wie es letztendlich dazu gekommen ist, aber Roger Waters „Final Cut“ (Performed by Pink Floyd) war meines Bruders und ist meine Lieblingsplatte. Sinnigerweise verarbeitet Mr. Waters in diesem Album den Verlust seines Vaters und beim Titelsong muss ich quasi immer an meinen Bruder denken (auch wenn ich dazu kein bestimmtes Erlebnis im Kopf habe).

Mit dem Gefangenenchor aus Nabucco und „Miss Sarajevo“ von den Passengers (jenes musikalische Projekt, bestehend aus Pavarotti, Eno, Lanois und U2), die zur Beerdigung meines Bruders gespielt wurde möchte ich diesen Bericht beenden.

Ein Kommentar

  1. P.Paul schrieb:

    Hej Markus,

    ich erinnere mich noch an die Abschlussfahrt, wo Herbert Grönemeyers-Was soll das, France Gall-Ela Ela, Ofra Hazas Im Nin´alu und Push it von Salt´n Pepa. (Habe noch eine alte Kassette gefunden).
    Ach ja gute alte Zeit.

    Auch die Skifreizeit war klasse: Bruce and Bongo mit Geil, Falco mit Jeanie (damals stand ja sogar das Video bei Formel Eins auf dem Index) und Chris Norman mit Midnight Lady (Disco Abend in im Keller der Pension Kröll in Königsleiten)

    Ohne Musik ist das Leben eben nur ein Halbes!

    Grüße
    Patty

    Donnerstag, 5. Mai 2011 um 21:47 | Permalink

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