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Tempus fugit: Schwarz Weiß, Bunt, Stereo, Flach, 3D?

Vorletztes Wochenende war eine Zäsur. Mit dem Frühjahr kommt der Drang zum Platz machen und man macht dann endlich mal Sachen, die man schon lange vor sich hergeschoben hat. Und manchmal trifft man auch spontane Entscheidungen. Schon seit einer Weile stand mein alter Fernseher  in einer Abstellkammer, eigentlich nur als Ersatz, verwendet wurde er schon lange nicht mehr. Ich bin zwar nicht ganz überzeugt von „was man zwei Jahre nicht gebraucht hat kann weg“ (über den Zeitraum kann sicherlich auch gestritten werden), aber eigentlich war mir klar: diesen Fernseher brauche ich nicht mehr, also muss er weg. Wo ich dann schon gerade dabei war, habe ich weitere Elektrik und Elektronik eingesammelt: zwei 17 Zoll Monitore, 3 PC-Gehäuse (Tower), einen Lichtschlauch, zwei Autoradios und noch ein paar Lampen.

Seit dem ist unser Haushalt Röhrenfrei. Wobei, nein, ich habe ja noch die Röhrenverstärker, also haben wir einen Bildröhrenfreien Haushalt. Im Gegensatz zu meinen Eltern gehöre ich zu einer Generation, die komplett mit einem Fernseher im Haus aufgewachsen ist (okay, nicht jeder schaut TV und es gibt auch heute noch Haushalte in Deutschland, in denen es keinen Fernseher gibt) und trotzdem hat sich das Medium in den letzten 30 Jahren (so lange müsste ich auch etwa einen eigenen Fernseher haben) irgendwie schon geändert.

Zwar kann ich  mich nicht mehr daran erinnern, das meine Eltern einen Schwarz-Weiß Fernseher hatten, aber mein erster Fernseher dürfte etwa 40 cm Bildschirmdiagonale gehabt haben, 8 Programmplätze, einen Lautstärkeregler (nach „ganz Leise“ konnte man den Fernseher auch mit diesem Regler ausschalten), dann gab es noch Regler für Helligkeit und Kontrast. Eine eingebaute Antenne, einen Antennensteckplatz, das war es. Acht Kanäle, bzw. Programmplätze erscheint aus heutiger Sicht verschwindend gering, war aber damals mehr als ausreichend: ARD, ZDF und hr3 waren das, was so ziemlich jeder hier in der Gegend empfangen hat. Hatte man noch eine weitere Antenne und einen entsprechenden Signalverstärker, dann kam vielleicht noch Bayern 3 und der SWR dazu.

Umschalten, das hat man noch richtig händisch gemacht und der Fernseher quittierte den Senderwechsel mit einem gut hör- (und für den Umschaltfinger spür)baren „Klack“.  Klingt wie aus dem letzten Jahrhundert, und ist es auch! Fernsehprogramm gab es nicht rund um die Uhr, vormittags sendeten das Erste und das Zweite ein gemeinsames Programm, dann war Sendepause und am frühen Nachmittag ging es dann wieder weiter, das Dritte hat sogar erst um fünf oder sechs angefangen. Und: es gab Sendeschluß mit anschließendem Testbild (und wenn ich mir das recht überlege war das Niveau des Testbildes dem Nachtprogramm vieler Sender heute weit überlegen). Magnum hat auch mit Schwarz-Weiß-Fernseher Spaß gemacht!

Farbe, die gab es auch und besonders kann ich mich daran erinnern, das meine Großeltern diese extrem genutzt haben. Die Sättigung war so extrem eingestellt, man konnte der Meinung sein, dass sie versucht haben innerhalb weniger Wochen die ganze Farbe nachzuholen, die es ohne Farbfernseher nicht gab! Meine anderen Großeltern dagegen hatten einen normalen Farbkontrast eingestellt, dafür aber schon einen Fernseher mit Stereoton! Das war großartig, falls das Programm in Stereo ausgestrahlt wurde (oder, auch sehr interessant, im Zweikanaltonverfahren, einmal auf deutsch, der andere Kanal in der Originalsprache).

Bevor wir einen Fernseher mit Stereoton hatte, haben meine Eltern einen VHS-Rekorder gekauft (das passt auch irgendwie zu „Preis des Spielzeugs“ :) ). Die Entscheidung für VHS war auch nicht so wirklich einfach: zu der Zeit kämpften (lange vor dem Browser-Krieg) auf dem Heimvideomarkt 3 System gegeneinander: Beta-Max (Qualitativ das Hochwertigste System), Video 2000 (im Gegensatz zu den beiden anderen Systemen konnten Kassetten beidseitig bespielt werden, auf eine Kassette haben so 8 Stunden statt „nur“ 4 gepasst) und VHS. Das das Letztere die anderen überlebt hat, dürfte wohl hauptsächlich an der Unterstützung der Filmstudios und -verleihe gelegen haben (ähnliches hat sich dann Jahre später mit HD-DVD und Blu-Ray wiederholt, und auch bei den beschreibbaren DVDs gab es zwischendurch ähnlich Standardgerangel, nicht zu vergessen die Digital Compact Cassette und die MiniDisc als Nachfolger der analogen Compact Kassette). Mittlerweile sind die meisten Videorekorder wieder aus den Wohnzimmern verschwunden, DVD-Player und Festlpattenrekorder haben ihren Platz eingenommen.

Aber zurück zum Fernseher: irgendwann wurde mein kleiner, weißer Schwarz-Weiß-Fernseher gegen einen Farb-TV ausgetauscht. Mit Fernbedienung und mehr Kanälen. Nun gut, es waren knappe 20 und das würde heute auch noch ausreichen (wenn man nur den sehenswertesten Sendern einen Speicherplatz zugstehen würde), „damals“ war es aber noch exorbitant viel. Ende der 80er bzw. Anfang der 90er waren dann über „normale“ Antenne bei uns auch die Privatsender Sat1 und RTL verfügbar und mit dem Golfkrieg kam dann das Frühstücksfernseher. War Kabelfernseher nicht verfügbar (oder zu teuer), war nun die Zeit für Satellitenfernseh gekommen. Die Anzahl der Programme explodierte förmlich und die Zeiten an denen man Abends etwas gesehen hat und mit jedem in der Schule darüber reden konnte… waren vorbei (wenn man mal von der Fußball WM absieht).

Hatte man sich daran gewöhnt das Fernseher das Ratio 4:3 hatten, kamen nun vermehrt Fernsehgeräte mit 16:9 auf den Markt (und statt der Trauerränder oben und unten durfte man sich an Balken links und rechts gewöhnen).  Das letzte (aktive) Röhrenfernseher das wir hatten war auch in 16:9 und bei einer Bildschirmdiagonale von knappen 80cm so schwer, das man vor Diebstahl eigentlich keine Angst haben musste. Mal schnell wegtragen… war mit dem Gerät nicht zu machen. Während andere nun schon auf 3D umgestiegen sind, haben wir nun mittlerweile auch einen Flachbildschirm und eigentlich ist es erstaunlich, wie viel sich doch in knapp 30 Jahren verändert hat. Magnum? Ist derzeit nur verschlüsselt zu empfangen  oder vielleicht auch auf deiner Röhre. :)

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