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Nicht noch ein Blog …

„Web 2.0″ ist ein viel strapaziertes Schlagwort, doch eigentlich hat sich in den letzten 15 Jahren gar nicht so viel geändert. Neue Hardware, andere Software, neue Plattformen, aber die Inhalte, die sind eigentlich die Gleichen geblieben!

Geocities… fällt mir ein, wenn ich an die Anfänge von „Web 2.0″ denke.

Mitte der 90er war der Zugang zum Netz noch lange nicht so selbstverständlich wie heute. Studenten hatten die Möglichkeit sich direkt an der Uni oder über (einige, relativ wenige) Modemleitungen auch von daheim aus ins Internet einzuloggen (und mangels Festnetzflat wurden schon mal recht hohe Telefonrechnungen erzeugt). Internet, das war gerade dabei Mailboxen abzulösen und entwuchs damit ein wenig der Nerd-Ecke. So ganz entwachsen ist es immer noch nicht. Gopher war noch ein Thema, allerdings zeichnete sich auch schon der Browserkrieg zwischen Netscape und Microsoft ab.

Die Geschwindigkeiten der eben erwähnten Telefonleitungen waren weit unter dem, was heute selbst von mobilen Datenverbindungen erwartet wird, die Standardauflösung eines Windows-Rechners (Windows for Workgroups 3.11, gerade auf dem Sprung zu Windows95) wechselte langsam von 640 x 400 Pixel auf 800 x 600 Pixel (Röhrenmonitore wuchsen gerade von 14 auf 15 oder 17 Zoll, Flatscreens hatte man nur, wenn man den Monitor in die Wand einbaute).

Inhalte wurden auch damals schon von „normalen“ Benutzern generiert. Webspace gab es für Studenten (und Unimitarbeiter) auf den Servern der Hochschulen und für Benutzer von AOL, MSN und T-Online. Sogenannte „Freehoster“ wie Geocities boten freien Webspace für jedermann an und irgendwann machte fast jeder der im Netz war auch eine eigene Seite. Zumindest konnte man diesen Eindruck gewinnen. Animierte Hintergrundgrafiken, gewagte Farbkombinationen (vorsichtig Ausgedrückt) wurden durch blinkende Texte ergänzt. Die Inhalte vieler Seiten? „Hallo, das ist meine Internetseite, meine Hobbies sind …“

Jeder wollte etwas mitteilen, aber nicht jeder hatte etwas zu sagen. Meine ersten HTML-Gehversuche beinhalteten dementsprechend ein Sammelsurium an Themen die mich persönlich interessierten. Dominiert wurde die Startseite (gutes Tabellendesign, an CSS war noch nicht zu denken) durch einen Calvin und Hobbes Cartoon (Urheberrechtlich bewegte ich mich da wohl auch auf recht dünnem Eis).

Nach einem halbherzigen Versuch eine U2-Fanseite auf die Beine zu stellen (die gab es damals fast genauso zahlreich wie die „Hallo, das ist meine Internetseite, meine Hobbies sind …“-Seiten) fand ich mit dem Film „Strange Days“ ein Thema, das noch nicht vollends ausgeschöpft war. Da die Besucherzahlen überschaubar blieben hatte die Seite irgendwann ihre Haltbarkeit überschritten (nebenbei: ich erinnere mich noch an zwei der 10 am häufigsten besuchten Seiten auf dem Studentenserver der Uni-Gießen: Platz eins hatte jemand, der ein Formular zum kostenlosen SMS-Versand auf seine Seite eingebunden hate, Platz drei Bestand fast nur aus dem Text „Nur weil hier PLAYBOY steht, hatte diese Seite bisher [Zähler] Besucher“ (achja, Zähler hatte auch fast jeder auf seiner Seite)): Neues gab es zu dem Film kaum mitzuteilen (okay, man hätte noch über die Veröffentlichung der DVD, Special Edition DVD, Blue Ray DVD, über die weiteren Projekte der Schauspieler und Crewmitglieder schreiben können, aber das Thema war einfach erschöpft), sang und klanglos verschwand sie in den digitalen Weiten des Internet.

Zwischen der Masse an Seiten gab es auch Klasse: SelfHTML fällt mir da ganz spontan ein. Seiten halt, die wirklichen Inhalt boten (und auch schon damals war es wichtig gefunden zu werden: wer nicht in Alta Vista, Yahoo oder Fireball gelistet war, war quasi nicht existent).

Rückblickend ging es dann irgendwie schnell: Gästebücher wurden durch Foren abgelöst, Facebook, MySpace, Youtube, StudiVZ, Wer-Kennt-Wen bieten quasi jedermann die Möglichkeit Sender zu werden, einfacher als „früher“ und man braucht gar nicht die eigenen Inhalte zu bewerben: Freunde und Bekannte bekommen das ohnehin getweetet, auf ihre Pinwand gepostet.

Wenn nun aber jeder sendet, wer hat dann eigentlich noch Zeit Empfänger zu sein? Die Inhalte der Blogs, Facebook etc. Profile? „Hallo, das ist mein Blog, meine Hobbies sind …“ :)

Ein Kommentar

  1. Sabine schrieb:

    Das gefällt mir!

    Fröhliche Grüße aus Mainz
    Sabine

    Montag, 7. März 2011 um 20:04 | Permalink

Ein Trackback/Pingback

  1. […] Facebook Fanpage und Like-Button-Plugin-For-WordPress Es mag ja schön und gut sein einen Blog zu haben, optimaler weise sollte man den aber auch bekannt machen. Aus diesem Grund hat dieser Blog […]

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