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4100 vs. 8240 vs. MG15CDR

„Nichts geht über Röhre“ und „Besser als mehr Watt? Noch mehr Watt!“ sind immer noch gängige Gitarristenwahrheiten. Im Userforum des deutschen Marshallvertrieb habe ich drei „Marshalls“ verglichen, die sowohl von der Bauart als auch von der Bauform unterschiedlich sind: einen kleinen „Brüllwürfel“ in reiner Transistorbauweise, einen Hybridcombo mit 2 12 Zoll Lautsprechern und ein Röhrentopteil mit angeschlossener („amtlicher“) 4 *12er Box.

Letztens bin ich mit einem meiner Schüler im Proberaum gewesen, und wir hatten seinen MG15 dabei… da sich im Proberaum noch weiter Marshalls befunden haben, dachte ich mir da könnte man ja mal kurz einen Vergleichstest machen (bitte nicht zu ernst nehmen!)! 

Die Kandidaten:

MG15 CDR:

– Transistorbauweise
– 15 Watt RMS
– 2 Kanaele
– Federhall
– 3 Bandklangregelung (und Contour) (gemeinsam für beide Kanäle)
– FDD-Schaltung
– 8″ Speaker

Beschreibung auf der Marshallseite

S80 (VS 8240):

– Hybridbauweise, Comboverstärker
– 2*40 Watt
– 2 Kanaele mit je 2 Mode (Clean/Crunch und OD1/OD2)
– 3 Band-Klangregelung fuer jeden Kanal (Contour im OD-Kanal)
– Reverb, paraleller FX-Loop (regelbar) und Stereochorus
– 2*12″ Lautsprecher

Beschreibung auf der Marshallseite

JCM900 4100: 

– Röhrenbauweise, Topteil
– 100 Watt
– 2 Kanäle mit gemeinsamer Klangregelung

– 1960 A Box (fragt mich jetzt nicht genau welche)

Beschreibung auf der Marshallseite

Die Gitarren:

– Meine Ibanez Artcore AS73
– Die Gitarre meines Schülers, die beim Marshall Starter-Paket dabei war (Strat Kopie)
– ein US-Standard Strat

Rein optisch…:

Offensichtlich dreimal Marshall…. sehr nett anzusehen, wie eine Familie standen die Testkandidaten nebeneinander (Da fehlte nur noch der MS2 auf der Einen, ein Fullstack auf der anderen Seite).

Robust sind sie alle, wobei ich eingestehen muss das die Anordnung der Potis am 8240 (schräges Bedienfeld, wie bei Fenderamps) beim Transport ungünstig ist (ich weiss von was ich spreche, genau bei diesem Testkandidat habe ich mal eine Potiachse böse verbogen).

Ansonsten wirkten alle drei Kandidaten so als könne sie kein Wässerchen trüben, auf den „Sturz-aus-dem-Fenster“-Test habe ich dennoch verzichtet (immerhin befindet sich der Proberaum im 3. Stock). 

Ob neben den Potiköpfen auch die eigentlichen Potis baugleich sind, konnte ich nicht beurteilen…. ich gehe mal davon aus das dem so ist.

Der kurze Transporttest eine Treppe runter und wieder rauf, hat bestätigt was man schon vorher sieht: mit dem MG15 ist das überhaupt kein Problem, der 8240 am Griff getragen ist eher nervig (man sollte zum Ausgleich vielleicht einen Kasten Bier auf der anderen Seite tragen), auf alle Fälle knallt der Combo einem unschön gegen die Knie… wenn man nicht aufpasst… dann doch lieber die Hände links und rechts um den Combo und die Kiste vor der Brust gehalten… 2*12er Combos sollten generell die eingelassenen Boxengriffe haben!
Das Topteil alleine war kein Problem (jedoch zeigte sich hier ganz klar das Gewicht der Bauteile), trotzdem noch angenehmer als der sperrige 2*12er Combo…. Minuspunkte gibt es dagegen für die 1960A…. alleine getragen war das auf der gewinkelten Treppe schon ein Abenteuer (und die Idee mit dem „Hält die Box den Sturz die Treppe runter aus“ kam mir wieder kurz in den Sinn, aber es ist ja nicht meine Box….).

Kurz und gut: robust sind sie alle, der MG15 ist eindeutig am leichtesten zu transportieren, die Potis des 8240 sitzen an einer schlechten Position und sind Abbruchgefährdet (und schwer ist er trotz Hybridbauweise auch… auch wenn mich die ebenfalls vorhandene Twin-Kopie davon überzeugt hat das ein 2*12er Combo noch schwerere sein kann)…. 2 Punkte Abzug. Einen Punkt Abzug für den 4100 (okay, eigentlich für die sperrige und schwerere 4*12er, auch wenn es schwerere 4*12er gibt, die ebenfalls im Proberaum vorhandene THC 4*12er hat mir aber gezeigt das auch eine 4*12er leichter sein kann und dabei immer noch gut klingt!

MG15: 5/5
8240: 3/5
4100: 4/5

Bedienung: 

Da wir keine programmierbaren Geräte vor uns hatten war das kein Problem… die Bedienfelder aller drei Testkandidaten präsentierten sich aufgeräumt und weitestgehend logisch (auch wenn ich die Anordnung der Regler am 4100er etwas Gewöhungsbedürftig finde… aber ich habe meinen Schüler in den Test mit einbezogen, und der kam mit allen drei ziemlich gut zurecht).

Am MG15 vermisse ich die Möglichkeit den Kanal mit dem Fuß zu wechseln (okay, das ist auch sonst in der Klasse nicht üblich… trotzdem habe ich das vermisst). Ein weitere Minuspunkt ist, dass es nur eine Klangregelung für beide Kanäle gibt. Manche mögen das vielleicht, ich nicht.

Beim 8240 strecken sich einem die meisten Potis entgegen: Gain und Klangregelung für jeden Kanal (oder war die Bezeichnung im Cleankanal einfach Volume?), Contour und Volume im OD-Kanal und eine Mastersektion für den FX-Weg sowie Reverb und den eingebauten Chorus. Über das Pedal lässt sich zwischen den Kanälen umschalten und der Chorus zu oder abschalten… leider ist ein Wechsel der Modi innerhalb der Kanäle nicht mit dem Fuß durchzuführen (naja, wer genau zielt trifft die Druckknöpfe, die sich halb unter den Potis befinden auch mit der Schuhspitze, aber praktisch ist das nicht)…. achja, der Hall wird (wie beim MG) für beide Kanäle eingestellt.

Beim 4100 lassen sich die Kanäle ebenfalls mit dem Fuß wechseln, und auch der Hall ist fernbedienbar… dieser lässt sich außerdem pro Kanal regeln… sehr schön, denn so kann man beim Clean etwas mehr, und beim OD etwas weniger Hall einsetzen (wie es halt gerade gefällt). Die Anordnung der Potis dagegen macht mir schon etwas Mühe… bzw. ist etwas ungewohnt (wenn auch logisch): auf der linken Seite je Master und Reverb pro Kanal, dann Presence und Dreikanalregler, ganz rechts dann die Preamp (Gain) Regler für die beiden Kanäle. Auch hier fehlt mir die getrennte Klangregelung pro Kanal.

MG15: 3/5
8240: 4/5
4100: 4/5

Zimmerlautstärke: 

Nun gehts los…. alle Amps angeschlossen, immer wieder die gleichen Sachen runtergenudelt (wie oft kann man eigentlich das „Smoke on the water“ Intro spielen bevor man Albträume bekommt? ), und das ganze in einer Lautstärke, die die Nachbarn noch nicht richtig nerven würde (aber gehört wird man trotzdem).

Hier zeigt sich die Stärke des MG15 und dessen 8″ Speaker, denn weder die 2*12er des 8240, noch die am 4100 angeschlossene 4*12er klingen bei dieser Lautstärke schön… der Sound tropft irgendwie nur aus den Speakern, es fehlt an Substanz (beim 4100 sogar noch mehr). Das war zwar nicht wirklich überraschend, und deckt sich mit meinen bisherigen Erfahrungen, trotzdem machte hier der MG15 einen runden Eindruck… deswegen geht er in diesem Bereich auch als Sieger hervor. Der 8240 konnte IMHO hier noch im Clean-Bereich Punkten… auch deswegen ist er hier im Mittelfeld.

MG15: 5/5
8240: 4/5
4100: 3/5

Proberaumlautstärke:

Drehen wir die Kisten etwas weiter auf… und zwar so, das an im Bandgefüge im Proberaum mithalten kann. Der MG verliert hier (wieder mal wie zu erwarten) schon ordentlich an Boden. Der kleine Combo hat halt physische Beschränkungen, und die zeigen sich eben schon bei dieser Lautstärke.

Der 8240 und der 4100 hielten sich hier absolut die Waage…. im Cleansound war IMHO der 8240 besser, im OD-Kanal zeigte sich, dass der 4100 hier stärker ist.

MG15: 2/5
8240: 4/5
4100: 4/5

Bühnenlautstärke: 

Nun geht es richtig übel laut zur Sache, auch wenn der Proberaum mit seinen knappen 20 m² vielleicht nicht die optimale Umgebung ist… egal, das Gehör wird es mir danken (ich meine heute noch das Rauschen zu hören).

Der MG zeigt hier definitiv wofür er nicht gebaut worden ist…. wenn er auf der Bühne genutzt werden soll, dann wohl am besten mit einem guten Mikro. Alleine hat er keine Chance.

8240 gegen 4100…. es zeigte sich durchaus das die größere Membranfläche beim durchsetzten hilft…. allerdings lies sich da sehr viel durch wechseln der Position in dem Raum kompensieren… sprich: steht man im Abstrahlbereich des Combos und bekommt die 4*12er nur am Rande ab, dominiert der Combo, umgedreht gilt das gleiche (es sei fairerweise vermerkt dass insgesamt die 4*12er besser zu hören war).

MG15: 1/5
8240: 4/5
4100: 5/5

Fazit:

Der MG und der 4100 zeigen ganz klar wo sie hingehören: der eine als Uebungsamp daheim, der andere auf die Bühne. Der 8240 als Hybridamp bildet eine Brücke zwischen diesen beiden Welten (wobei er auf der Bühne wohl einen besseren Sound macht als auf Zimmerlautstärke).

Alle drei Amps klingen nach Marshall (was wiedermal nicht wirklich überrascht) und reagieren auf das Volumenpoti oder den Anschlag (wobei der 4100 da am feinsten, der MG am gröbsten ist). Clean fand ich beim 4100 nicht so gut, da war (wieder meine Meinung) der 8240 besser. Je lauter es wurde, desto mehr zeigten die Transenendstufen des 8240 und des MG ihre Schwächen (wobei das beim 8240 schon ordentlich laut war).

MG15: 16 / 25
8240: 19 / 25
4100: 20 / 25

So… und als nächstes werde ich irgendwas zum Vergleichen suchen, was noch unterschiedlicher ist.

Wie geschrieben, den Test nicht zu ernst nehmen, im Endeffekt sind die drei Kisten nicht wirklich miteinander vergleichbar.

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